Michael Böckmann - Ihr Steinsetzer

Wir haben etwas gegen  feuchte Wände

 

Graue Flecken an einer kühlen Außenwand, im Badezimmer, in einer Raumecke, am Fenster, über den Fußleisten.  
Wer war nicht schon einmal damit konfrontiert....
 

Schimmelbildung in Wohnräumen ist ein Dauerthema und mehr denn je aktuell. Verschärft hat sich die Problematik durch veränderte Bauweisen und v. a. dadurch, dass Schimmelpilze zunehmend mit gesundheitlichen Risiken in Zusammenhang gebracht werden. Durch Schimmel verursachte Krankheitsbilder sind Infektionen, Allergien, Störungen des Immunsystems, Erkrankungen durch mikrobiell erzeugte, flüchtige, organische Verbindungen (MVOC), die zu Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, entzündlichen Veränderungen der Schleimhaut der oberen Atemwege bis hin zu chronisch entzündlichen Veränderungen der Lunge führen können. 

Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die in der Natur überall vorkommen. Unbedingte Voraussetzung für das Wachstum ist Feuchtigkeit ohne Wasser kein Leben. Dabei kann die Feuchtigkeitsursache für Schimmel in Innenräumen sehr vielfältig sein:  

Feuchtigkeit an der Wandoberfläche durch Kondensation bildet die häufigste Ursache für mikrobielles Wachstum

  • von außen eindringende Feuchtigkeit
  • Wasser aus defekten Leitungen
  • Baufeuchte
  • Kondensationsfeuchte

Feuchtigkeit an Wandoberflächen durch Kondensation bildet die häufigste Ursache für mikrobielles Wachstum. Ein bisschen Physik muss an dieser Stelle sein: Kondensationsfeuchte entsteht, wenn die Aufnahmefähigkeit der Luft für Wasserdampf überschritten wird. Dabei muss man sich vorstellen, dass in einem 9-Personen-Haushalt innerhalb eines Tages durchaus 10 Liter Wasser an die Raumluft abgegeben werden. 

Ist die Luft vollständig mit Wasserdampf gesättigt, wird dies als 100% relative Luftfeuchtigkeit bezeichnet. Die Aufnahmefähigkeit der Luft für Wasserdampf ist sehr stark von der Temperatur abhängig, d. h. je höher die Lufttemperatur, desto mehr Feuchtigkeit kann aufgenommen werden. So ist die Raumluft bei einer Temperatur von 30 ° Celsius mit ca. 30 g Wasser pro m3 Luft gesättigt (d. h. 100 % rel. Feuchte) bei 20 ° Celsius hat sich die Aufnahme- fähigkeit auf ca. 151 Wasser pro m3 Wand mit 10' Celsius Oberflächentemperatur wird sich dann einem Gehalt von pro m3 Luft Tauwasser bilden auch wenn es in der Raummief deutlich wärmer ist. Kalte Wände - sei es durch schlechte Dämmung, falsches Lüften und Heizen hervorgerufen, fördern den Tauwasserniederschlag und  Durchfeuchtung der Oberflächen . Der für das Wachstum von Schimmmelpilzen erforderlicher Nährboden  ist hergestellt.

 

Wärmebrücken  

Oft beginnt die Ausbreitung der Feuchtigkeit an bautechnischen Schwachstellen, der Wärmedämmung eines Gebäudes. Diese sogenannten Wärmebrücken (auch Kältebrücken) können durch konstruktive  Baumängel sowie auch durch mangelhafte Bauausführung hervorgerufen werden. So kühlt sich die innere Wandoberfläche an einer Fensterlaibung stärker ab, als in den Bereichen der durchgehenden Wand mit ordnungsgemäßer Wärmedämmung. Auch Außenwandecken sind, geometrisch bedingt, Schwachstellen. Da der Außenwandanteil größer ist, als der dazugehörige Teil der Innenwand bieten sie der Kälte eine größere Angriffsfläche. Gleichzeitig ist die Luftzirkulation in den Raumecken gebremst und oftmals durch Gardienen behindert 

 

 Feuchtigkeitsabgabe pro Tag

Mensch 

 0 - 1,5 Liter

Kochen

 0,5 - 1,0 Liter

Duschen, Baden (pro Person)  

 0,5 - 1,0 Liter

Wäschetrocknen (4,5 kg)

Geschleudert tropfnass

 1,0 - 1,5 Liter

 2,0 - 3,5 Liter

Zimmerblumen, Topfpflanzen

 0,5 - 1,0 Liter

Spezielle Anforderungen 

Die Bauweise und der Dämmstandard von Gebäuden hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte so extrem verändert, dass es erforderlich ist, nicht nur im Neubau, sondern auch durch Modernisierungsmaßnahmen im Altbau, mit den verschiedenen Gegebenheiten leben zu lernen. So ist geregeltes Lüften heute bei hochwärmegedämmten, luftdicht erstellten Neubauten aus Baumaterialien, die wenig Feuchtigkeit aufnehmen können, absolut wichtig. Die Oberflächen werden zwar nicht so kühl, die Raumluftfeuchtigkeit kann sich allerdings schnell anreichern, da sie nur über den Weg des bewussten oder kontrollierten Lüftens entweicht. 

Im Altbau finden sich meistens viele Fugen, Ritzen und undichte Fenster, die einen mehr oder weniger großen Teil der Feuchtigkeit aufnehmen. Verändert sich an dieser Situation etwas, wie zum Beispiel durch den Einbau neuer Fenster, gerät das Gefüge mit gewohntem Lüftungsverhalten manchmal aus dem Gleichgewicht. Die zu hohe Luftfeuchtigkeit schlägt sich als Kondensat an den Glasflächen nieder oder auch an anderen tauwassergefährdeten Bauteilen, die „beschlagen" ohne dass dies zunächst bemerkt wird. 

Eine unsachgemäße Innendämmung kann zu unangenehmen Befunden führen: hinter der Dämmung ist die Wand nass und verschimmelt. Hat die Konstruktion keine Dampfbremse oder sind Randbereiche nicht absolut dicht ausgeführt kann die Feuchtigkeit aus dem Raum in die Innendämmung diffundieren oder sucht ihren Weg durch die Fugen und Ritzen und kondensiert an der massiven Wand. 

Wohnräume mit hoher Luftfeuchtigkeit erfordern neben dem regelmäßigen Lüften auch eine ent- sprechende Raumtemperatur, damit die Raumluft genügend Feuchte aufnehmen kann. In einem Schlaf- zimmer mögen 16-18 ° Celsius genügen, in einem viel genutzten Wohn- oder Kinderzimmer, sollte die Temperatur nicht unter 20 ° Celsius sinken. 

 

Lüften - aber wie? 

Zur Reduzierung des Feuchtegehaltes in der Luft und zum Austausch der verbrauchten Sauerstoffmenge ist ein regelmäßiger Luftaustausch der Innenraumluft für ein gesundes Raumklima unerlässlich. Behaglich wird ein Raumklima bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 35 bis 65 % empfunden; optimal ist es zwischen 45 und 55 %. In ständig genutzten Räumen sollte ein Luftaustausch nach ca. 2 Stunden erfolgen, Berufstätige sollten ihre Wohnung mindestens 3 Mal täglich gründlich lüften. Dabei muss man wissen, dass der Luftaustausch durch die Thermik aufgrund des größeren Temperaturunterschieds im Winter wesentlich schneller erfolgt. 

Sinnvolles Lüften bedeutet möglichst viel verbrauchte Luft in kurzer Zeit durch Frischluft zu ersetzen, damit wenig Wärme entweicht und Wandflächen nicht auskühlen. Bei Fensterlüftung erreicht man dies am effektivsten, indem Fensterflügel ganz geöffnet werden, wenn möglich mit Querlüftung (s. a. Tabelle). Der Kippflügel eignet sich im Winter, bzw. in der kühleren Jahreszeit nicht, da sich der Luftaustausch zu langsam vollzieht (30 - 60 Minuten). Dabei wird zu viel wertvolle Heizenergie aus dem Fenster befördert, umliegende Wandflächen kühlen aus und bilden Angriffsflächen für Kondensat.

 

Was tun bei Schimmelpilzen? 

Der Schimmel muss beseitigt werden. Die Vermehrung der Samen (Sporen oder Konide) geht so ungeheuer schnell vor sich, dass es wichtig ist, dieses Wachstum so schnell und soweit wie möglich zu bremsen. Inzwischen gibt es eine Unzahl von Antischimmel- mitteln auf dem Markt, mit denen man sich oftmals noch ein gesundheitliches Problem mehr ins Haus holt. Viele enthalten gesundheitlich bedenklich Stoffe, wie Chlorgas (verätzt Schleimhäute und Atemwege), Formaldehyd (krebsverdächtig, reizt Schleimhäute u. erzeugt Allergien ), Isothiazolinonderivate (Allergie auslösend, Krebs erzeugend). Weitgehend ungefährlich sind alkoholhaltige Reinigungsmittel, eine fünfprozentige Essigessenz oder eine fünfprozentige Sodalösung aus der Apotheke. Im fortgeschrittenen Stadium können hochprozentiger Alkohol oder eine Salmiakverdünnung dem Schimmel zu Leibe rücken. Bei älterem Befall sind die Pilze bereits in das Material eingedrungen, Farbe, Tapete oder manchmal auch der Putz muss entfernt werden.

Das entscheidende für eine dauerhafte Beseitigung des Schimmelpilzes ist die Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle, um dem Pilz seinen Nährboden zu entziehen. Bauwerksschäden durch Kondensations- feuchte müssen ordnungsgemäß trockengelegt werden, was u. U. mehrere Monate dauern kann. Erst wenn das Mauerwerk vollständig durchgetrocknet ist, wird die ursprüngliche Dämmfähigkeit des Mauerwerks wieder erreicht.